Luft-Wasser, Sole-Wasser, Wasser-Wasser – die Wärmepumpen-Welt ist verwirrend. Wir erklären die Unterschiede und welcher Typ zu welcher Situation passt.
Wärmepumpe ist nicht gleich Wärmepumpe. Je nach Wärmequelle unterscheiden sich Effizienz, Kosten und Einsatzmöglichkeiten erheblich. Wir erklären die drei Haupttypen und helfen bei der Orientierung.
Das Grundprinzip: Woher kommt die Wärme?
Alle Wärmepumpen funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Sie entziehen einer Quelle Wärme auf niedrigem Temperaturniveau und heben diese auf ein höheres Niveau für Heizung und Warmwasser. Der Unterschied liegt in der Wärmequelle – und davon hängt die Effizienz ab.
Luft-Wasser-Wärmepumpe: Der Bestseller
Die Luft-Wasser-Wärmepumpe nutzt die Außenluft als Wärmequelle. Ein Ventilator saugt Luft an, ein Verdampfer entzieht ihr Wärme, diese wird komprimiert und ans Heizsystem abgegeben.
Vorteile:
– Günstigste Anschaffung (15.000-25.000 Euro)
– Einfache Installation, keine Erdarbeiten
– Überall einsetzbar, keine Genehmigung nötig
– Schnelle Amortisation durch niedrige Investition
Nachteile:
– Geringste Effizienz der drei Typen (JAZ 3,0-4,0)
– Effizienz sinkt bei tiefen Außentemperaturen
– Außengerät erzeugt Geräusche (35-50 dB)
– Bei sehr kalten Wintern ggf. elektrische Zuheizung nötig
Ideal für: Sanierung im Bestand, Grundstücke ohne Platz für Erdkollektor, mäßig gedämmte Gebäude, knappe Budgets.
Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme): Der Effizienz-Champion
Die Sole-Wasser-Wärmepumpe nutzt die konstante Temperatur des Erdreichs (8-12°C). Die Wärme wird über Erdsonden (vertikale Bohrungen) oder Flächenkollektoren (horizontale Rohre) erschlossen.
Vorteile:
– Höchste Effizienz (JAZ 4,0-5,5)
– Konstante Leistung unabhängig vom Wetter
– Praktisch lautlos (kein Außengerät mit Ventilator)
– Passive Kühlung im Sommer möglich (fast kostenlos)
– Sehr lange Lebensdauer
Nachteile:
– Höchste Anschaffungskosten (25.000-40.000 Euro)
– Erdarbeiten erforderlich (Bohrung oder Grabung)
– Genehmigung für Erdsonden nötig
– Nicht überall möglich (Wasserschutzgebiete, Geologie)
Ideal für: Neubau (Erdarbeiten können kombiniert werden), Gebäude mit hohem Wärmebedarf, langfristige Investition, Grundstücke mit Platz für Kollektor.
Wasser-Wasser-Wärmepumpe (Grundwasser): Der Spezialist
Die Wasser-Wasser-Wärmepumpe nutzt Grundwasser als Wärmequelle. Wasser wird aus einem Saugbrunnen entnommen, die Wärme entzogen und in einen Schluckbrunnen zurückgeführt.
Vorteile:
– Sehr hohe Effizienz (JAZ 4,5-5,5)
– Konstante Quelltemperatur (8-12°C)
– Lautlos im Betrieb
– Kühlung im Sommer möglich
Nachteile:
– Nur bei ausreichend Grundwasser möglich
– Wasserrechtliche Genehmigung erforderlich
– Zwei Brunnen nötig (Saug- und Schluckbrunnen)
– Wasserqualität muss stimmen (sonst Korrosion)
– Wartungsintensiver als andere Typen
Ideal für: Standorte mit gutem Grundwasservorkommen, große Gebäude mit hohem Wärmebedarf, wo Erdsonden nicht möglich sind.
Die Jahresarbeitszahl (JAZ): Das wichtigste Vergleichsmaß
Die JAZ zeigt, wie effizient die Wärmepumpe über ein Jahr arbeitet. Eine JAZ von 4 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 4 kWh Wärme.
Typische Werte:
– Luft-Wasser: 3,0-4,0
– Sole-Wasser: 4,0-5,0
– Wasser-Wasser: 4,5-5,5
Ein Unterschied von JAZ 3,5 zu 4,5 bedeutet bei 15.000 kWh Wärmebedarf: 4.285 kWh vs. 3.333 kWh Strom. Bei 30 ct/kWh: 286 Euro Ersparnis jährlich. Über 20 Jahre: 5.720 Euro!
Entscheidungshilfe: Welcher Typ für Sie?
Wählen Sie Luft-Wasser, wenn: Budget begrenzt ist, keine Erdarbeiten möglich/gewünscht sind, schnelle Installation nötig ist, mäßiges Klima vorherrscht.
Wählen Sie Sole-Wasser, wenn: Langfristige Effizienz wichtiger ist als Anfangskosten, Grundstück Platz für Kollektor oder Bohrung bietet, passive Kühlung gewünscht ist, Haus neu gebaut oder kernsaniert wird.
Wählen Sie Wasser-Wasser, wenn: Grundwasser reichlich und qualitativ gut vorhanden ist, Erdsonden nicht möglich sind (z.B. Fels), hoher Wärmebedarf besteht.
Unsere Beratung: Wir prüfen Ihre Situation und empfehlen den optimalen Wärmepumpen-Typ für Ihr Gebäude. Mit realistischer Wirtschaftlichkeitsberechnung!
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