Wärmepumpe im Bestandsgebäude: der ehrliche Realitätscheck
2 Min. Lesezeit Adria Meisterbetrieb

Funktioniert eine Wärmepumpe in einem Haus von 1975? Meistens ja – aber es kommt auf drei Dinge an. Wir zeigen, worauf es wirklich ankommt.

„Bei uns geht das nicht, wir haben ja keine Fußbodenheizung." Diesen Satz hören wir wöchentlich. In der Mehrzahl der Fälle stimmt er nicht. Aber pauschale Zusagen sind genauso falsch wie pauschale Absagen. Es kommt auf drei prüfbare Größen an.

Faktor 1: Die benötigte Vorlauftemperatur

Das ist die entscheidende Zahl. Kommt Ihr Haus am kältesten Tag mit 55 Grad Vorlauf aus, ist eine Wärmepumpe wirtschaftlich darstellbar. Bei 45 Grad wird es richtig gut, bei 70 Grad wird es teuer. Der einfachste Test kostet nichts: Stellen Sie im Winter die Vorlauftemperatur schrittweise herunter und beobachten Sie, ab wann es in den Räumen nicht mehr reicht. Das ist Ihr realer Bedarf – nicht der Wert, der seit 1990 am Kessel eingestellt ist.

Faktor 2: Die Heizlast

Eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 zeigt, wie viel Kilowatt Ihr Gebäude tatsächlich braucht. Fast immer ist die vorhandene Heizung deutlich überdimensioniert – Kessel mit 24 kW in Häusern, die 9 kW benötigen, sind Standard. Wer die Wärmepumpe nach dem alten Kessel auslegt, kauft zu groß, zahlt zu viel und bekommt eine Anlage, die schlecht taktet.

Faktor 3: Die Heizflächen

Große Heizkörper arbeiten mit niedriger Vorlauftemperatur. Oft reicht es, in zwei oder drei kritischen Räumen die Heizkörper gegen größere Modelle oder Niedertemperaturheizkörper mit Ventilator zu tauschen. Das kostet einen Bruchteil einer Fußbodenheizung und löst das Problem an genau den Stellen, wo es auftritt.

Was Sie nicht brauchen

Sie brauchen keine Komplettsanierung, keine dreifach verglasten Fenster im ganzen Haus und keine Dämmung nach Neubaustandard. Diese Maßnahmen helfen, sind aber keine Voraussetzung. Entscheidend ist die Kombination aus realistischer Auslegung und passenden Heizflächen.

Der typische Ablauf bei uns

Bestandsaufnahme vor Ort, Heizlastberechnung, Prüfung der vorhandenen Heizkörper Raum für Raum, Vorschlag mit zwei bis drei Varianten inklusive Jahresarbeitszahl-Prognose und Förderrechnung. Erst danach wird über Fabrikate gesprochen. Wer die Reihenfolge umdreht, bekommt eine Anlage, die zum Angebot passt, aber nicht zum Haus.

Wann wir ehrlich abraten

Bei ungedämmten Gebäuden mit sehr kleinen Heizkörpern und Vorlauftemperaturen über 65 Grad raten wir zu einer Hybridlösung oder zunächst zu Optimierungsmaßnahmen. Eine schlecht ausgelegte Wärmepumpe schadet dem Ruf der Technologie mehr als jede Diskussion.

Ihr Haus im Check: Wir prüfen kostenlos und unverbindlich, ob und wie eine Wärmepumpe bei Ihnen funktioniert – mit Zahlen statt Versprechen.

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