Brennwerttechnik erklärt: Warum moderne Heizungen effizienter sind
3 Min. Lesezeit Adria Meisterbetrieb

Brennwertkessel erreichen Wirkungsgrade von über 100 Prozent – wie ist das möglich? Wir erklären die Technik und warum sie bei Gas- und Ölheizungen heute Standard ist.

Wenn Sie von Brennwertgeräten hören, die angeblich über 100 Prozent Wirkungsgrad erreichen, klingt das nach Zauberei. Tatsächlich steckt dahinter clevere Physik: Moderne Brennwertkessel nutzen Energie, die bei älteren Heizungen ungenutzt durch den Schornstein verschwand. Wir erklären, wie das funktioniert.

Das Prinzip: Verborgene Wärme nutzen

Bei der Verbrennung von Gas oder Öl entstehen heiße Abgase, die bei herkömmlichen Kesseln mit 150-200°C durch den Schornstein abziehen. In diesen Abgasen steckt noch viel Energie – als Wärme und vor allem als Wasserdampf.

Brennwertkessel kühlen die Abgase auf etwa 40-60°C herunter. Dabei kondensiert der Wasserdampf und gibt seine versteckte Wärme (Kondensationswärme) ab. Diese zusätzliche Wärme wird genutzt und dem Heizsystem zugeführt. Erst die kalten, feuchten Abgase verlassen dann das Haus.

Warum über 100% Wirkungsgrad?

Der Wirkungsgrad wird traditionell auf den Heizwert (Hi) des Brennstoffs bezogen – also die Wärmemenge, die bei der Verbrennung entsteht, ohne Kondensation des Wasserdampfs. Brennwertkessel nutzen aber auch die Kondensationswärme, die beim Heizwert nicht mitgezählt wird.

Bezogen auf den Heizwert erreichen Brennwertkessel deshalb rechnerisch 107-109% Wirkungsgrad. Bezogen auf den Brennwert (Hs), der die Kondensationswärme einschließt, sind es realistische 96-98%. Keine Magie, nur unterschiedliche Bezugsgrößen.

Voraussetzungen für den Brennwerteffekt

Damit die Kondensation funktioniert, müssen die Abgase unter den Taupunkt abgekühlt werden – bei Erdgas etwa 57°C, bei Öl etwa 47°C. Das gelingt nur, wenn die Rücklauftemperatur des Heizwassers niedrig genug ist.

Optimal für Brennwert: Fußbodenheizung (Vorlauf 30-35°C, Rücklauf 25-30°C) – Brennwertnutzen voll

Gut für Brennwert: Moderne Heizkörper, niedrige Temperaturen (Vorlauf 45-55°C, Rücklauf 35-40°C) – Brennwertnutzen gut

Eingeschränkt: Alte Heizkörper, hohe Temperaturen (Vorlauf 70°C, Rücklauf 55°C) – Brennwertnutzen gering

Deshalb ist ein hydraulischer Abgleich und die Optimierung der Heizkurve so wichtig: Je niedriger die Systemtemperaturen, desto mehr Kondensation, desto höher die Effizienz.

Kondensat: Wohin mit dem Wasser?

Ein Brennwertkessel produziert täglich mehrere Liter Kondensat – leicht saures Wasser (pH 3-5 bei Gas, pH 2-4 bei Öl). Bei Gas darf das Kondensat in der Regel direkt in die Kanalisation eingeleitet werden. Bei Öl-Brennwert oder bei empfindlichen Abwassersystemen ist eine Neutralisationseinheit erforderlich, die das saure Kondensat vor der Einleitung neutralisiert.

Schornstein-Anforderungen

Die niedrigen Abgastemperaturen und die Feuchtigkeit stellen besondere Anforderungen an den Schornstein. Alte gemauerte Kamine sind ungeeignet – die Feuchtigkeit würde den Schornstein zerstören. Stattdessen werden feuchteunempfindliche Abgassysteme aus Kunststoff oder Edelstahl eingesetzt.

Bei der Modernisierung wird meist ein Kunststoffrohr (für Gas) oder Edelstahlrohr (für Öl) in den vorhandenen Kamin eingezogen. Das ist Teil der Heizungserneuerung und kostet etwa 500-1.500 Euro zusätzlich.

Brennwert bei Wärmepumpen?

Wärmepumpen arbeiten anders und nutzen keine Verbrennung. Der Begriff Brennwert gilt hier nicht. Stattdessen wird die Effizienz über die Jahresarbeitszahl (JAZ) angegeben: Eine JAZ von 4 bedeutet, dass aus 1 kWh Strom 4 kWh Wärme werden.

Lohnt sich der Umstieg auf Brennwert?

Wenn Sie noch einen alten Niedertemperaturkessel oder gar Konstanttemperaturkessel haben, kann der Wechsel auf Brennwert 15-25% Energie sparen. Bei Heizkosten von 2.000 Euro pro Jahr sind das 300-500 Euro jährlich. Die Investition amortisiert sich je nach Ausgangslage in 5-10 Jahren.

Allerdings ist Brennwert heute nur noch eine Übergangslösung. Das Heizungsgesetz schreibt für Neuinstallationen 65% erneuerbare Energien vor. Wer jetzt noch einen Brennwertkessel einbaut, sollte prüfen, ob eine Wärmepumpe oder zumindest eine Hybridlösung nicht sinnvoller wäre.

Unser Service: Wir prüfen, ob sich ein Brennwertkessel für Sie lohnt oder ob eine zukunftssicherere Lösung besser wäre. Ehrliche Beratung, individuell auf Ihr Gebäude abgestimmt!

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